
Im unermüdlichen Einsatz für Gemeinschaft und Kirche
Zum Tode von Dr. med. Daniel Brunner-Schaufelberger, Ennenda
Sich für eine bessere Welt einsetzen – dieses Credo zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Dr. med. Daniel Brunner, der nun nach langjähriger Krankheit und doch unerwartet rasch am 13. Juli 2026 nach kurzem Spitalaufenthalt im Alter von 86 Jahren entschlafen ist. Er hinterlässt eine ihn immer umsorgende Gattin und vier Kinder im Erwachsenenalter, die sich alle gerne an einen vielbeschäftigten Vater erinnern, der aber seine spärliche Freizeit stets seiner geliebten Familie widmete, sei das im Anwesen mit Arztpraxis an der Villastrasse, in den Weissenbergen oder in seinem geliebten Engadin gewesen.
Dr. med. Daniel Brunner-Schaufelberger verliess schon in frühen Jahren mit seiner starken Gattin Verena an seiner Seite die Komfortzone, indem er seine medizinischen Kenntnisse während vier Jahren den Menschen in Tansania zugutekommen liess und dabei oft auch seine eigene Gesundheit in Gefahr brachte. 1975 übernahm er dann zurück in der Schweiz die Arztpraxis des bekannten Dorfarztes und Politikers Dr. Rudolf Schmid an der Villastrasse, die er nach 30 Jahren Einsatz zugunsten eines grossen Patientenkreises 2005 seinem Nachfolger, Dr. med. Pietro L’Abate-Bossi, anvertraute. Zurück in der Heimat und bei einem gerüttelten Mass an Arbeit vergass er die Zusammenarbeit mit Verantwortlichen in Entwicklungsländern nicht.
Als langjähriger Kirchenrat von Ennenda überzeugte er die Kirchgemeinde Ennenda schon 1980, die Kollekten im Rahmen von Brot für Alle projektorientiert durchzuführen. Daniel Brunner setzte sich dafür ein, dass Ennenda über mehrere Jahre für das gleiche Projekt sammelte, in der Meinung, dass sich die Gemeinde mit dieser Arbeit präziser identifizieren könne, wie Daniel Brunner in der Festschrift zum 250-Jahr-Jubiläum der Kirche Ennenda 2024 in einemBericht festhielt, der sich heute wie ein Vermächtnis liest. In den ersten Jahren standen Projekte in Indien im Vordergrund, ab 1992 in Afrika, das heisst genauer im Senegal. Seit 2000 unterstützt Ennenda noch immer das gleiche Projekt „CERFLA“ in einem weit abgelegenen Gebiet im Nordosten Senegals. Stolz wies er auf die Solidarität seiner Wohngemeinde gegenüber der senegalesischen Bevölkerung hin, die so innerhalb von rund 40 Jahren mit einer Million Franken unterstützt werden konnte. Die Kontakte mit den Verantwortlichen vor Ort wurden so intensiv und erfolgreich im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe geknüpft, dass daraus freundschaftliche Beziehungen entstanden. Mit Freude erinnerte sich Daniel Brunner an die beiden eindrücklichen Besuche von Mitgliedern der Kirchgemeinde Ennenda im Senegal, wo die Erfolge der Projekte zum Beispiel der Alphabetisierung der Bevölkerung, namentlich der Frauen, eingesehen werden konnten. Daniel Brunner war überzeugt, dass nur durch Bildung (Rechnen, Lesen, Schreiben) eine nachhaltige Entwicklung in jenen Gebieten erreicht werden konnte. Bilder vom Brunnenbau, vom Unterricht und vom Betrieb einer Molkerei für die Milchverarbeitung legten Zeugnis von dieser Art der Entwicklungshilfe ab.
Die Gesundheit und die medizinische Betreuung der Menschen im Glarnerland waren für den Verstorbenen ebenso eine Herzensangelegenheit. Über sein Engagement für seine Wohngemeinde und seine Praxistätigkeit im Dorf hinaus war ihm die Volksgesundheit wichtig, suchte er doch als Präsident der kantonalen Alkoholfürsorge nach Wegen, damit Betroffene vom Alkoholmissbrauch wegkamen oder erst gar nicht dazu kamen und schuf sich so bleibende Verdienste. Während vieler Jahre und über sein Pensionsalter hinaus amtete er als Kantonsarzt und brachte sein grosses Wissen in der Gesundheitsvorsorge von Kindern und Jugendlichen im Schulalter ein. Ein entsprechendes, heute noch gültiges Merkblatt trägt sein Kürzel „brd“. In kantonalen Fachkommissionen beriet er den Regierungsrat und den Landrat bei gesundheitspolitischen Weichenstellungen, Epidemie-Schutzkonzepten und in der Spitalplanung des Kantons Glarus.
Als Praktiker war ihm auch der Informationsaustausch innerhalb der Gemeinde wichtig: Er war während vieler Jahre massgeblich an der Herausgabe des „Chilcheblattes“, eines monatlich erscheinenden, sehr beliebten Informationsorganes in der Gemeinde, beteiligt. In der Glarner Kantonalkirche schliesslich amtierte er während mehrerer Jahre als umsichtiger und mit parlamentarischem Flair ausgestatteter Präsident der Glarner Synode.
Den Ausgleich zum strengen Berufsalltag fand Daniel Brunner in seiner Familie und in der Musik. Er studierte gar manches Orgelwerk für sich ein und stellte sein Können als Stellvertreter im Orgeldienst seiner Kirchgemeinde zur Verfügung. Und neben der Orgelmusik hatten es ihm auch der Glarner Kammerchor und der Kirchenchor Ennenda unter der damaligen Leitung von Ruedi Ferndriger angetan. Der Gesang war sein Hobby, das er auch mit seiner Gattin lebhaft teilte. Der Glarner Musikschule stand er viele Jahre als Präsident vor.
Sein Herz für seine Familie und das Gemeinwesen hat nun aufgehört zuschlagen. Zurück bleiben trostvolle Momente des Erinnerns und der Dankbarkeit.