Osterpredigt 2021

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Frohe Ostern!
Iris Lustenberger,
Osterpredigt 4.4.2021, ev. ref. Kirche Ennenda
von Pfarrerin Iris Lustenberger

Liebe Gemeinde

Friede sei mit euch! Mit diesen Worten begrüsst der Auferstandene seine Jüngerinnen und Jünger. So wird es uns aus den Evangelien von Johannes und Lukas berichtet.

Jesus sagt nicht Friede sei mit dir, sondern Friede sei mit euch! Mit dem euch ist implizit eine Verbundenheit untereinander angesprochen. Niemand ist alleine, jeder und jede ist Teil der Gemeinschaft, die um Jesus trauert. Der Trost liegt unter anderem darin, dass alle einander haben. Da ist nicht einer besser als der andere. Ob einer mehr oder weniger gezweifelt hat, besser oder schlechter zu seiner Wahrheit stehen konnte, mehr oder weniger Angst hatte, ist nicht das Thema.

Alle sollen in diesen Frieden finden: Friede sei mit euch!

Stellen Sie sich vor, wie Sie nach einem grossen Schrecken, nach schwierigen Zeiten, nach einem ausserordentlichen, kräftezehrenden Ringen, nach einer grossen Anspannung und Angst oder nach einer tiefen Trauer die Worte hören: Friede sei mit euch!

Spüren Sie, wie die Schwere sich langsam verflüchtigt? Wie langsam wieder Wärme und Bewegung in die erstarrten Glieder kommt? Wie Trost einkehrt und eine friedliche Ruhe? Zuversicht und neuen Lebensmut?

In allen vier Evangelien ist von mindestens einem Engel die Rede, der da beim leeren Grab steht und informiert: Jesus ist nicht hier, er ist auferstanden!

Kennen Sie solche Momente aus ihrem Leben? Momente der Gewissheit, dass da die geistige Wirklichkeit hindurchscheint mitten in Ihre Situation? Momente, an denen ganz unverhofft Hilfe kommt. Momente die klar machen: Da ist Erlösung. Etwas Schweres löst sich auf. Da öffnet sich eine Türe. Da ist Hilfe und Hoffnung. Da ist ein Weg.

Durch die Präsenz der Engel wird klar, dass da mehr ist als die materielle Welt, die wir vordergründig sehen können. Da ist eine geistige Wirklichkeit, die ebenso real ist! Auf einmal zeigen sie sich wieder, die Engel. Erinnern Sie sich an die Engel am Anfang von Jesus’ Weg? Als der Engel Gabriel Maria eröffnete, dass sie schwanger ist? Der Engel der Josef im Traum erschien und ihm sagte, er solle Maria als seine Frau zu sich nehmen? Die Engel auf dem Feld bei den Hirten, die Gott lobten und sangen: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden unter den Menschen seines Wohlgefallens? Fällt es Ihnen auch auf? Da haben wir sie wieder die Worte vom Frieden, als würden sie mit grossen Buchstaben über Jesus Leben stehen.
Jetzt sind sie wieder da, die Engel. An den Schnittstellen, wo Leben geboren wird und wo Leben zu Ende geht.
Da ist zwar die Auferstehung. Die Gewissheit, das Jesus lebt. Die Begegnungen mit ihm als dem Auferstandenen, doch es ist nicht mehr wie vorher. Der Abschied auf der irdischen Ebene ist eingeläutet. Jesus wird nicht mehr mit den Jüngern durch Galiläa ziehen und Menschen heilen. Himmelfahrt steht kurz vor der Türe. Die Jünger werden in eine ganz neue Phase der Ermächtigung und Eigenständigkeit gerufen, was den Kernauftrag der Christen anbelangt: zu lieben, zu befreien, zu heilen. Jesu Werk fortzuführen.
Das ist heute nicht anders, auch wir sind als Christen mit dieser Aufgabe betraut.

Da sind die himmlischen Engelswesen, doch es gibt auch die irdischen Engel.
Die Begegnung der Jüngerschaft mit den Engeln erinnert uns vielleicht an Begegnungen in unserem Leben, die wir als besonders kostbar, als wegweisend oder heilend erlebt haben.
Als überraschend auch!

Ganz wie Wilhelm Wills in seinem Gedicht davon spricht, dass auch wir füreinander Engel sein können!

Nach dem Horrorszenario vom Karfreitag - so gebeutelt von der Brutalität und hasserfüllten Gewalt, die an Jesus begangen wurde - an eine Auferstehung zu glauben, das ist eine Kehrtwende, die zuerst ankommen muss. Was die Jüngerinnen am Grab erlebt haben, das können die Jünger, die sich aus Angst eingesperrt haben, nicht auf Anhieb glauben. Es braucht seine Zeit, bis alle ihre eigene Erfahrung mit dem Auferstandenen gemacht haben.
Auch wir dürfen uns Zeit lassen, dass die frohe Botschaft bei uns ankommen kann.
Das Aufblühen der Natur zeigt uns wie: Jede Knospe geht auf. Zu ihrem Zeitpunkt.

Was wir in tiefster Nacht nicht für möglich halten, bricht an, wenn am Morgen die Sonne aufgeht. Was im tiefsten Winter viel zu früh wäre, geschieht im Frühling mühelos und ganz von selbst: Mit dem Aufspringen der Knospen und der Freude, die wir haben, wenn wir in die wunderschöne Blütenpracht eines Baumes blicken, oder den Duft einer Blumen riechen.

Im Johannesevangelium sagt Jesus bei seinen Abschiedsreden im Zusammenhang mit dem heiligen Geist, dem Geist der Wahrheit, der in uns allen wohnt:
Joh 16.24
Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen sei.

Dieses Bitten gehört zum Weg, der sich da an Ostern vor uns ausbreitet. Wir dürfen davon Gebrauch machen!

Stellen Sie sich vor, was die Tatsache, dass Jesus lebt, bei den Jüngern auslöst.
Sie sind noch so jung!
Mitten in ihre tiefe Angst kommt die Botschaft der Auferstehung.

Dadurch findet bei ihnen eine ganz profunde Transformation statt. Eine durchlebte Angst, die aufgelöst wird, macht stark. Es wächst die Gewissheit, dass sie nichts von der Liebe Gottes trennen kann. Das ist eine ganz starke Erfahrung, die sitzt.

Die Botschaft und der Auftrag ist nun klar. Das Vertrauen kehrt zurück: Der Weg ist die Liebe und die Wahrheit.
Das Matthäusevangelium beginnt damit, dass Jesus der Immanuel genannt wird. Was übersetzt heisst: Gott mit uns.
Bei Matthäus sagt der auferstandene Jesus ganz am Schluss des Evangeliums zu den Jüngern und damit will ich diese Osterbotschaft ausklingen lassen: seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Amen