Der Weg

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Predigt vom 14.3.21
Iris Lustenberger,
Predigt zu Johannes 14

Liebe Gemeinde

als Ergänzung zu Bastaveda steht das Wortspiel mit den Anfangsbuchstaben von "DER WEG" für unsere aktive Seite. Dies immer auf der Grundlage von Bastaveda (Barmherzigkeit, Stille, Achtsamkeit, Vertrauen und Dankbarkeit).


DER WEG

D Denken

E Empfinden

R Reden



W Wollen

E Entscheiden

G Gehen / Gestalten


"DER WEG" führt uns zu Johannes 14, wo Jesus sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Was Sie in der Lesung gehört haben, scheint hoch komplex und äusserst kompliziert zu sein. Aus jedem einzelnen Satz könnte eine ganze Predigt geschrieben werden.
Die Jünger jedenfalls scheinen überhaupt nicht zu verstehen, worum es geht. (Tröstlich!) Irgendwie haben sie mitbekommen, dass Jesus gehen muss. Sie sind in dieser Situation beunruhigt, weil sie nicht wissen, wohin Jesus geht und was sie jetzt tun sollen. Bei ihm fühlen sie sich sicher. Dass er vom Weggehen spricht, erfüllt sie mit Unbehagen.
Jesus will sie auf den Leidensweg vorbereiten.
Die Worte, die Jesus an die Jüngerschaft richtet, dass sie nicht erschrecken sollen, sondern glauben dürfen, das haben sie noch nicht ganz verinnerlicht.
Der Glaube ist bei ihnen noch nicht wirklich im tiefen Seelengrund angekommen.
Wenn Jesus sagt, glaubt an Gott und glaubt an mich, dann meint Jesus damit: habt Zutrauen. Ihr könnt euch auf Gott und mich verlassen.
Jesus möchte die Jünger so gut wie möglich vorbereiten auf das, was er kommen sieht und von dem er erahnt, dass es ein grosser Schrecken sein wird. Er möchte das, was geschehen wird, so gut es geht abfedern und die Jünger soweit ausrüsten, dass sie nicht verzweifeln werden.

Liebe Gemeinde, Glaube im Sinne von Zutrauen und Vertrauen ist etwas, das wächst. Glaube ist viel mehr als ein für wahr Halten. Es ist eine Herzenserfahrung, die innere Sicherheit gibt.


Die Jünger werden die Erfahrung solchen Glaubens im Sinne von einer tiefen eigenen Erfahrung erst machen können, wenn sie ganz auf sich selbst gestellt sind und erlebt haben, dass die Liebe nicht gekreuzigt werden kann. Sie werden durch die Tragödie hindurch, durch Tod und Auferstehung, Gott im eigenen Herzen entdecken.

Noch ist es aber nicht soweit. Jesu Worte bleiben für die Jünger teilweise noch leer. Sie können sie nicht gänzlich nachvollziehen.

Thomas, den wir auch als den ungläubigen Thomas kennen, will handfeste Antworten. Er hätte am liebsten eine Karte, wo der Weg und das Ziel genau eingezeichnet sind. Er möchte eine genaue Gebrauchsanleitung, die er Schritt für Schritt befolgen kann.

Und so sagt er: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir da den Weg kennen?

Jesus meint, dass die Jünger nach allem, was er sie schon gelehrt und ihnen schon gezeigt hat, eigentlich längst wissen müssten, worum es geht.
Schliesslich verkörpert er mit seiner ganzen Hingabe die Liebe Gottes und lässt die Menschen diese Liebe eins ums andere Mal erfahren und spüren, wenn er mit ihnen unterwegs ist, sie heilt, sie nährt und sie lehrt.

Und so gibt er Thomas eine ganz pointierte und prägnante Antwort, indem er sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Damit sagt Jesus indirekt: Ich verkörpere das, von dem ich spreche. Du erlebst schon die ganze Zeit, wos lang geht und worauf wir uns zubewegen!

Um das Johannesevangelium verstehen zu können, müssen wir uns bewusst sein, dass der Evangelist immer mit zwei Ebenen spielt. Einerseits ist da die konkrete irdisch materielle Welt und andererseits ist da die geistige Welt. Die Jünger, die verstehen vor allem auf der irdisch materiellen Ebene, Jesus redet aber von der geistigen Ebene. Da gibt es immer wieder Missverständnisse.

Diese Missverständnisse rühren daher, dass die Jünger ihre geistige Wirklichkeit erst am Entdecken sind und dieses ganze Gebiet noch unsicheres Terrain ist für sie.
Jesus kommt mit Symbolen und Bildworten zu Hilfe, um ins innere Erleben zu führen.
Im Johannesevangelium gibt es viele solcher Bildworte, sogenannte Ich bin Worte: Wie zum Beispiel:

Joh 6.35
Jesus sagte zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht mehr Hunger haben, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.
Oder Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. 6.51
Oder

Joh 8.12
Ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern das Licht des Lebens haben.

Joh 10.11
Ich bin der gute Hirt.

15.1
Ich bin der wahre Weinstock

Oder eben Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

In unserer Passage ist neben diesen ICH Bin Worten auch das griechische Wort Monä, Wohnung / Bleibe und das dazugehörige Verb meno, bleiben, weilen, sich aufhalten, auch dauerhaft bleiben, nicht aufhören zu existieren von Bedeutung.

Ich habe mich in meinem Theologiestudium über viele Jahre mit Altgriechisch und Hebräisch abgemüht. Manchmal habe ich mich gefragt, ob sich denn das wirklich lohnt.

Da freut es mich, wenn ich dank meiner Sprachkenntnisse ab und zu etwas erkenne, das ich sonst nicht sehen könnte. So habe ich im 14. Kapitel des Johannesevangeliums entdeckt, dass das ganze 14. Kapitel mit diesem Wort Monä resp. Dem dazugehörigen Verb meno durchspickt ist. Die deutsche Übersetzung lässt nicht erahnen, dass es immer um ein und dasselbe Wort geht! Bis jetzt jedenfalls war mir nicht klar, dass Wohnung, Bleibe und bleiben im Urtext ein und dasselbe Wort sind. Das ist für das Verständnis von Vers 2. «Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen» nicht unbedeutend.

Zum Beispiel hören wir in V17: … ihr erkennt den Geist der Wahrheit, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.

In Vers 23 sagt Jesus: Wer mich liebt, wird mein Wort bewahren, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und uns bei ihm eine Bleibe schaffen.

Wohnungen, das sind also wir alle! Wir sind die vielen Wohnungen!
Auch die Tiere, die Pflanzen, die gesamte Schöpfung, und geistige Wesen, wie die Engel.

Und In Vers 25 sagt Jesus: Das habe ich euch gesagt, als meine Bleibe noch bei euch war.

In Bezug auf diesen Vers, bedeuten die vielen Wohnungen, dass es auch noch ganz andere Orte als die uns bekannten gibt. Das was sich vor unseren Augen abspielt ist nicht das einzige.
Jesus hat noch andere Möglichkeiten sich aufzuhalten als dort wo er bald nicht mehr willkommen sein wird.

Wenn der Geist der Wahrheit bei uns ist, bei uns wohnt, dann sind wir bei uns selber.
Wir wohnen in uns, sind bei uns selbst zu Hause und können so Gott fühlen.
Wer ganz bei sich ist, ist in Gott.
Wie ist das nun zu verstehen, wenn Jesus sagt:
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, es sei denn durch mich? Ist damit Ausschliesslichkeit gemeint?

Nein! Es geht nicht darum, andere Religionen auszuschliessen. Der Text sagt vielmehr: Es führt kein Weg an der Liebe vorbei.

Um das zu verstehen, müssen wir Jesus Selbstbild betrachten. Wenn er von sich sagt, er sei das Leben, dann fühlt er sich eins mit allem, mit der Lebendigkeit, die in der ganzen Schöpfung pulsiert.
Er spricht nicht von seinem Ego aus, sondern aus der Einheitserfahrung heraus. Er fühlt sich eins mit Gott, der in allem und allen ist.

Dass Jesus hier umfassend denkt und nicht einengend auf einem Egotrip reitet, belegen auch folgende Passagen:
Joh 12.44 Jesus aber rief: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat,
JOh 12.49 Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich sagen und was ich reden soll.

Wir werden das, was uns Jesus da sagt, entdecken, wenn wir unseren eigenen Weg gehen und uns auf unser Leben einlassen.
Es gibt dazu keine Anleitung. Es ist das vertrauensvolle Gehen unseres eigenen Weges, das uns erblühen und entdecken lässt, was gemeint ist mit Jesu Worten: Ich bin der Weg.

Im zweiten Teil der Predigt hören Sie einen Zusammenschnitt der Aussagen der Teilneher und Teilnehmerinnen, die den Abend Lebendige Bibel heute besucht haben. An dieser Stelle ein herzliches Danke für alle, die mitgemacht haben!

Die Wohnungen als Bild laden dazu ein, den eigenen Platz zu finden im Leben.
Wenn es keine Räume für einen selbst gibt, wird einem das innere Kind genommen.

Wenn Jesus sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, dann erahnen wir, dass es darum geht, einen Schritt zu machen heraus aus der Theorie, hinein ins wirkliche Leben.
Es geht um die vertrauensvolle Hingabe an das Leben. Einen Sprung zu tun in die seelische Gegenwart, hinein in die volle Lebendigkeit.

Es wird uns nicht das Blaue vom Himmel herunter gesprochen. Wenn Jesus sagt, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, dann ist das eine sehr bodenständige Angelegenheit. Der Weg kann auch beschwerlich sein, die Wahrheit schwierig zu ertragen und das Leben voller Herausforderungen. Alles ist dabei, so wie es ist. Gott ist mit uns so wie wir eben gerade unterwegs sind.
Da ist kein Vertrösten aufs Jenseits. Das Leben in Fülle wird uns im Jetzt und in der Zukunft geschenkt. Welch wohltuendes Gefühl, zu wissen, wir sind erwartet, jemand macht alles schön bereit für uns!
Das Christentum ist eine Religion des Lebens.

Thomas steht für jenen Teil in uns, der zu Hause sitzt und nicht weg kommt. Im Thomas Modus tut man Wünsche als unwichtig ab und dümpelt vor sich hin.
Man kann jahrelang mit etwas herumlaufen, nicht wissen was es ist und plötzlich klärt und löst es sich. Auf einmal wird einem klar, was man wirklich will und man lässt sich nicht länger ablenken.
Irgendwann kommt es plötzlich, dass man die Energie nutzen kann, dass es fliesst und sich lebendig anfühlt. Wir bleiben nicht länger stehen, ziehen die Schuhe an und laufen los. Oder kaufen eine SBB Tageskarte und steigen in den Zug. Mit grosser Offenheit gehen wir einen Schritt, dann den nächsten und kommen in Fluss.
Wir hören auf unsere innere Stimme und lassen uns von Moment zu Moment in die Offenheit führen. Vielleicht führt der Weg in den Tierpark Arth Goldau, oder sonst an einen Ort unserer Wahl. Wir sind unterwegs. Auf dem Weg, auf dem eigenen Weg. Nur wer sich selbst ist, kann mit Gott sein.
Auf einmal merken wir, was weiterbringt, was Sicherheit gibt, was erleuchtet. Wenn wir auf dem Weg sind, lösen sich Knöpfe wie von selbst. Die Stätte zu der wir unterwegs sind, heisst Zufriedenheit, Glück und dass man mit sich selbst im Reinen ist. Schon unterwegs kann dies erfahren werden, wenn Vertrauen uns geleitet. Natürlich haben wir einiges selbst in der Hand. Wir müssen uns ja nicht wie der Elefant im Porzellanladen aufführen und uns dann wundern, wenn wir unglücklich sind.
So unterwegs entdecken wir unsere Einheit mit Gott, untereinander und mit dem gesamten Lebensgefüge. Wir sind Miteinander ein Ganzes und alle gemeinsam unterwegs. Im Kern sind wir Licht, alle von Gott geschaffen, alle mit Gott verbunden.
Wir finden Gott sowohl in uns als auch um uns. In der Weite da draussen und in der eigenen Tiefe in uns selbst. Wir wohnen in Gott und Gott wohnt in uns. Es hat Platz für jeden, wie er ist. In einer grossen Offenheit können wir voranschreiten und unterwegs sein, voll Vertrauen und Lebendigkeit. In grosser Vielfalt das Eigene in die Welt bringen. Und so unterwegs die Erfahrung machen von dem was Jesus hinterlassen hat:
Frieden lasse ich euch zurück, meinen Frieden gebe ich euch. Euer Herz erschrecke nicht! Das dürfen wir annehmen und aus einer solchen Geborgenheit heraus den eigenen Weg gehen.

Willst du Gott finden?
Dann geh deinen Weg
Willst du Gott finden?
Dann steh zu deiner Wahrheit
Willst du Gott finden?
Dann lebe dein Leben!
Amen.