Mut zur Musse

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Sich Zeit gönnen für das Wesentliche
Iris Lustenberger,
So lautet der Titel eines kleinen Büchleins der Autorin Sylvia Wetzel, das mir im vergangenen Jahr in die Hände gefallen ist.
Wer sich auf die Pensionierung freut, umschreibt dies so: Endlich nicht mehr müssen, nur noch wollen!
Für all jene, die noch mitten im Berufsleben stehen, gilt es immer wieder das Gleichgewicht zu finden zwischen dem Müssen und dem Wollen, zwischen Arbeit und Musse. Geprägt von einer Leistungsgesellschaft tun sich viele Menschen schwer damit, innezuhalten und sich Zeit zu nehmen. Doch genau das brauchen wir, damit wir unseren Eigenraum nicht verlieren und im Gesamtgefüge des Lebens eine leuchtende, eigenständige Persönlichkeit sein können, bei der sich andere wohl fühlen.

Ein Schlüsselwort ist dabei die Zeit: Die Eigenzeit und die Maschinenzeit. Der eigene Rhythmus und das eingebunden Sein in fixe Zeitpläne. Wenn wir damit beginnen, das was wir müssen unseren organischen Rhythmen anzupassen und nicht umgekehrt, kann viel neue Lebensqualität einkehren. Dies hoffentlich nicht erst bei unserer Pensionierung!

Wir können damit anfangen, eine neue Beziehung zu unseren Musse Zeiten zu entwickeln.
Wer kennt nicht das schlechte Gewissen, wenn man mal einfach nur herumtrödelt und nichts Produktives macht? Wer steht nicht unter dem Druck möglichst effizient zu sein?
Das Leistungsdenken hält uns fest im Griff. Wenn wir etwas tun, sind wir etwas wert.

Wenn wir eine andere Sichtweise auf unsere Mussezeiten werfen und uns bewusst machen, wie nötig und wichtig sie sind, dann wertschätzen und würdigen wir die Momente, in denen wir einfach unseren Impulsen folgen, herumträumen oder Naturstimmungen auf uns wirken lassen. Wir brauchen dazu ein gesundes Selbstwertgefühl, das nicht über Leistung definiert ist. Genau dieses Selbstwertgefühl könnte uns unser Glaube geben!

Mussezeiten sind vor allem deshalb so wichtig, weil wir genau in jenen freien Zeiträumen herausfinden, was uns wirklich am Herzen liegt, was wir wirklich wollen. Wir merken dann, wo wir uns selbst aufgegeben haben, wo wir nur noch tun, was andere von uns wollen, was uns letztlich aushöhlt.

Mussezeiten als Ausstieg aus der Dauerleistung, als Zeiten um runterzukommen stehen in unserer Verantwortung. Wir sind nicht faul, wenn wir sie uns nehmen. Es ist unsere Pflicht.

Die christlichen Feiertage sind eine wunderbare Gelegenheit und Einladung dazu.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Mussestunden!

Sylvia Wetzel bringt in ihrem Buch zwei Zitate, die ich zum Schluss dieser Denkpause gerne mit Ihnen teilen möchte. Das eine ist von ihrer Mutter: «Wir leben nicht, um zu arbeiten, wir arbeiten um zu leben.» Das andere stammt von Ovid: «Was ohne Ruhepausen geschieht, ist nicht von Dauer.»