Das, was jetzt ist

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Denkpause
Iris Lustenberger,
Manchmal werden wir vom Leben so richtig durchgeschüttelt. Die Frage ist, wie wir mit solchen Krisen umgehen. Niemand nimmt uns die Entscheidung ab, etwas zu ändern. Die Krise kocht uns solange weich, bis wir für uns selbst einstehen. Für unser wahres Selbst. Nicht für oberflächliches Vergnügen, sondern für unsere seelische und körperliche Gesundheit.
Wenn ich nicht weiss, wie und was ich ändern soll oder kann, so bleibt mir die Fähigkeit, mich selbst und mein Jetzt, meinen Schatten und meinen Schmerz zu umarmen. Geht gar nichts mehr, dann habe ich immer noch die Wahl, wie ich mit meinem Leiden umgehe.
Ich kann es entgegennehmen als Chance um mich selbst noch auf einer tieferen Ebene lieben zu lernen. So, dass alles, was ich bin in diese Liebe eingeschlossen ist. Krisen sind dazu da, uns in eine grössere Weite und mehr Einfachheit zu führen. Sie helfen uns, zu erkennen, was uns hemmt und zurückhält, was uns überfordert und auslaugt. Wenn wir aufhören, uns selbst zu verurteilen und aufhören, uns selbst unter Druck zu setzen, kann die herbeigesehnte Veränderung heranreifen, auch wenn jetzt noch nicht ganz klar ist, wie diese aussehen wird.
In der vergangenen Woche bin ich selbst an einen solchen Punkt gekommen: Ich fühlte mich so müde und erschöpft, dass nichts mehr ging. Ich sass mit einem meiner Söhne am Tisch, der mir meine Erschöpfung wohl ansah und mich fragte: Was würdest du tun, wenn du in diesem Moment alle Freiheiten hättest? Zuerst dachte ich, ich würde am liebsten verreisen. In die Ferien. An einen Ort, wo ich einfach nur Ruhe habe. Dann wurde mir bewusst, welch kostbarer Moment es ist, jetzt mit ihm zusammen am Tisch zu sitzen, diesen unverhofften gemeinsamen Moment am Ende des Tages zu haben, der mir gut tut. Und so sagte ich: Ich würde mit dir zusammensitzen wollen. Seine Frage half mir zu sehen, dass ich die Wahl habe. Spannend, dass ich gar nichts anders wollte, als das, was JETZT ist.