Erklärung zu den Rücktritten der fünf Mitglieder des Kirchenrates

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Der kantonale Kirchenrat, die zurückgetretenen Mitglieder des Kirchenrates von Ennenda und der neu eingesetzte Sachwalter informieren gemeinsam über die Situation bezüglich der Rücktritte der fünf Mitglieder des Ennendaner Kirchenrates.
Bernhard Neyer,
Der kantonale Kirchenrat, die zurückgetretenen Mitglieder des Kirchenrates von Ennenda und der neu eingesetzte Sachwalter informieren gemeinsam über die Situation bezüglich der Rücktritte der fünf Mitglieder des Ennendaner Kirchenrates.

Aufgrund unterschiedlicher Informationen in den Medien und Gerüchten, sehen wir uns veranlasst, die Umstände richtigzustellen und über die Geschehnisse, soweit rechtlich möglich und per 18. März 2020 bekannt, zu orientieren.

Es ist uns ein grosses Anliegen, den entstandenen Schaden möglichst gering zu halten und weiteren Schaden zu verhindern. Aus diesem Grund bitten wir Sie, sich bei Unklarheiten und mit Ihren Anliegen an bernhard.neyer@ref-gl.ch zu wenden.

Im Namen des kantonalen Kirchenrates,
der zurückgetretenen Ennendaner Kirchenrät+innen
und des Sachwalters

(Diese Information wird der nächsten Ausgabe Reformiert GL beigelegt)


Kirchgemeinde Ennenda - Die Rahmenbedingungen der Demokratie

Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Ennenda befindet sich aktuell in einem Ausnahmezustand. Fünf von sechs Mitgliedern des Kirchenrates sind per sofort aus ihrem Amt zurückgetreten. Das junge Team konnte die Kraft nicht mehr aufbringen, sich den Herausforderungen zu stellen. Der in der Presse genannte Schamanismus ist nicht der Grund, welcher zu dieser Situation geführt hat. Die demokratischen Rahmenbedingungen für öffentliche Körperschaften sind im Falle Ennendas das eigentliche Problem.
Oftmals befinden sich Kirchgemeinden bei Auseinandersetzungen im Spannungsfeld zwischen Amtsgeheimnis, Kollegialitätsprinzip und dem Recht, welches öffentlich-rechtlichen Körperschaften gemäss den demokratischen Grundsätzen zugrunde liegen. Das Amtsgeheimnis soll insbesondere auch Personen schützen. Dem stehen die Erwartungen der Öffentlichkeit entgegen, die gerne verstehen will, warum genau was geschehen ist. So auch im Fall des Rücktritts der fünf Kirchgemeinderät+innen der Kirchgemeinde Ennenda. Im Rahmen des Möglichen versuchen in diesem Schreiben der kantonale Kirchenrat und die Zurücktretenden gemeinsam die Sachlage zu erklären und hoffen auf Verständnis.
Entgegen eines ersten Presseberichtes ist nicht der Schamanismus der eigentliche Grund des Disputs. Nach einer weiter gefassten Definition wird Schamanismus als frühe, kulturübergreifende Entwicklungsstufe jeglicher Religion betrachtet. Häufig steht der Aspekt des „Heilens“ im Mittelpunkt des Interesses. Den vier Elementen der Schöpfung, Wasser, Erde, Luft und Feuer kommt dabei besondere Bedeutung zu. Dass dieses Thema plötzlich aufkommt, erstaunt die zurückgetretenen Kirchenrät+innen. Anlässlich des Wahlvorschlags wurde die Verbindung einer kandidierenden Person zum Schamanismus offen kommuniziert. Praktiziert wurde Schamanismus innerhalb der Kirchgemeinde nicht. Dass Schamanismus, genau wie auch Bachblütentherapien, Yoga, ZEN-Meditation von der christlichen Welt unterschiedlich angesehen wird, ist bekannt. Tatsache ist, dass im Rahmen von kirchlichen Veranstaltungen Schamanismus nie ein Thema war.
Viel grundsätzlicher belasteten den Ennendaner Kirchenrat in den zwei Jahren die unglaublich vielen Baustellen und Altlasten, welche er aus seiner Vorzeit übernommen hat. Immer und immer wieder sind grosse Aufgaben im Zusammenhang mit den Liegenschaften, den Finanzen, der Webseite und dem Personal aufgetaucht, die bewältigt werden mussten. All diese vielen Herausforderungen verlangten von den Kirchenrät+innen ein Übermass an zeitlichem Arbeitsaufwand und auch enorm viel an Zuverlässigkeit, Vertrauen und Mittragen.
Diese Anforderungen konnten leider nicht alle Mitglieder erfüllen und dies belastete den Kirchenrat je länger je mehr und zunehmend stärker. Viele Arbeiten mussten dadurch doppelt gemacht, auch noch übernommen oder noch einmal neu begonnen werden. Mehrere Klärungsversuche haben leider nicht gefruchtet.
Vielen ist klar, dass der Kirchenrat unglaublich viel geleistet und eine Vision entwickelt hat. Er hat viele neue, insbesondere auch jüngere Menschen ansprechen und gewinnen können. Hier ist vor allem das Engagement der ehemaligen Präsidentin hervorzuheben, welche in der Ausübung ihres Amtes mehr als ein 50%-Stellenpensum geleistet hatte. Auch einige andere Behördenmitglieder leisteten enorm viel, obschon mit Ausnahme einer Person, alle im Berufs- und Familienleben stehen.
Im steten Abwägen der Themen «Belastung», «Spannungen», «Mitarbeitende», «Kirchgemeindemitglieder» und der immer stärker auch zum Thema werdenden Belastungsgrenze tauchte dann plötzlich auch noch das Thema «Schamanismus» auf. All dies führte dazu, dass die fünf Behördenmitglieder schliesslich zurücktraten.
Die zurückgetretenen Kirchenratsmitglieder sind sich bewusst, dass mit diesem Entscheid viele Menschen enttäuscht werden und Hoffnungen für einen Neuaufbruch verlangsamt werden. Dennoch mussten sie diesen Entscheid fällen, vor allem in der grossen Sorge um die Gesundheit aller. Hierfür bitten die abgetretenen Kirchenrät+innen in aller Form um Verständnis.
Als Übergang wurde durch den kantonalen Kirchenrat ein Sachwalter eingesetzt, welcher bis zum Amtsantritt eines neuen Kirchenrates die Geschicke der Kirchgemeinde lenken wird. Für weitere Auskünfte steht der Sachwalter zur Verfügung.
In diesem Sinne vertrauen wir auf Psalm 62, 7 «Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde».

Im Namen des kantonalen Kirchenrates, der zurückgetretenen Ennendaner Kirchenrät+innen und des Sachwalters

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